Tao des Kontaktmanagements - Part 4

Aufbauend auf Part 1, Part 2 und Part 3 dieser Blogserie, möchten wir hier weiter die frühzeitige Erkennung eines möglichen strafbaren Verhaltens durch eine uns bekannte oder unbekannte Person beleuchten.


Fakt ist und bleibt - je früher ich ein derartiges Verhalten erkenne, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit vorteilhaft reagieren und die Situation kontrollieren zu können.


Obwohl die Thematiken Gefahren- und Kontaktmanagement nicht neuartig für uns sind und hierzu mehrtägige Kurse oder Vorträge auf diversen Symposien gehalten werden, sind seit dem Start der Blogserie wieder interessante Diskussionen zwischen unseren Ausbildern entstanden. 


Neben dem genannten geographischen Verhalten und unserer Körpersprache, sind auch das menschliche Verhalten auf Stress, das zwischenmenschliche Verhalten, die Symbolik und die Atmosphäre von Bedeutung.

Innerhalb unserer Diskussionen wurden verschiedene Interessante Beispiele und Informationen zusammengetragen.

Angefangen von einer Aufklärungsmission in Afghanistan bis hin zu verschiedenen verdeckten Einsätzen quer durch die europäischen Metropolen oder Reisen über den gesamten Erdball. 


Geplant war hier mit dem menschlichen Verhalten auf Stress diese Serie weiterzuführen. Doch aufgrund der Gespräche ändern wir die Reihenfolge. 


Atmosphärisches Verhalten

Hierunter subsumiert man das Verhalten von Menschen an bestimmten Orten und es sind sicherlich Überschneidungen zum geographischen Verhalten zu finden.

Doch interessiert hier nicht die einzelne Person, sondern der entstehende Gesamteindruck aller an einem Ort interagierender Personen. Wie verhalten sich dort Personen sozial und emotional. Das Bauchgefühl ist hier abermals ein verlässlicher Partner. Gerade in Kombination mit den vorzufindenden Erwartungen an einen bestimmtem Ort.

Gehe ich im Hochsommer in ein Freibad, habe ich Erwartungen an die dort vorzufindende Atmosphäre. Es sollte laut sein und Menschen genießen das Treiben im kühlen Nass. Wäre kein Mucks zu hören, müssten die inneren Alarmglocken läuten.


Ebenso ein Bericht eines unserer Ausbilder über eine Aufklärungsmission in Afghanistan. Eigentlich sollte die Fahrt durch eine belebte Stadt gehen. Doch an diesem Tag waren die Straßen leer. Kurze Zeit später wurden in verschiedenen Stadtteilen Aufstände verzeichnet. Ein Warnsignal wurde hier frühzeitig erkannt und dementsprechend gehandelt.


Ein weiteres Beispiel zeigt identisches atmosphärisches Verhalten, bedient sich aber einem zivilen Kontext.

 

Täglich hielt der Bus an einem Busbahnhof in einer türkischen Urlaubshochburg. Die Touristen erkundeten die dortigen Verkaufsstände, die Verkäufer boten ihre Ware an und die Restaurants und Cafés waren gefüllt.

 

An diesem Tag aber fielen mehrere Schüsse und man hörte lautes Geschrei in türkischer Sprache.

Man konnte beobachten, wie Ortsansässige zuerst wegrannten, dann aber kurzerhand umdrehten und zum Geschehensort gingen und schauten. Touristen blieben entweder wie erstarrt stehen, sitzen oder rannten konzeptlos davon.

Kurze Zeit später war der Stadtteil leer und man konnte sich ungestört bewegen. 

 

Was war passiert und warum diese Urlaubsgeschichte in diesem Blog?

Zivilfahnder hatten zwei Straftäter erschossen. Warum? Keine Ahnung!

 

Diese Handlung war das anfangs wahrgenommene Geschrei, gefolgt von den Schüssen.

Die ortsansässigen Personen flüchteten direkt nach den Schussabgaben, realisierten aber sofort die tatsächliche Situation und das "keine" weitere Gefahr mehr bestand bzw. bestehen dürfte. Der Mensch hat den Drang zum Gaffen, koste es auch sein Leben. Dieses erklärt auch die Rückkehr der Flüchtenden zum Ort des Geschehens.

Für Touristen ist diese Situation aufgrund mangelnder Sprach- und Ortskenntnisse schwieriger zu erfassen. Manchmal unmöglich. Letztendlich verlässt man den Ort in einer komfortablen Art und Weise.

 

Würde man genau in diesem Moment mit dem Bus ankommen, hätten wir das Beispiel aus dem Krisengebiet Afghanistan in eine türkische Touristenmetropole übertragen. Man erwartet bei Ankunft des Busses das heitere Leben und die gute Stimmung, trifft aber auf leere Straßen und gelangweilte Verkäufer.

Hier müssen alle Alarmglocken lautstark läuten.

Hat man die Möglichkeit der Wahl und ein "ungutes Gefühl" macht sich breit, verlässt man die Örtlichkeit wieder. Ganz einfach!

 

Wie bereits an anderer Stelle gesagt, Kontaktmanagement steht bei uns nicht für die direkte Konfrontation mit einer oder mehrerer Personen. Überall wohin wir gehen, sind Menschen - Kontakte. Die sofortige Erfassung und situative Bewertung dieser Kontakte ist entscheidend. Nur so kann die Kontrolle der Situation gewährleistet werden.

 

In Part 3 wurde auf das geographische Verhalten eingegangenen. 

Würde der Bus im Moment der Schussabgabe ankommen und stehenbleiben, gilt es das menschliche Verhalten zu diesem Zeitpunkt zu betrachten. Es wird geschossen und Menschen flüchten. Hier kann man als ortsfremde Person bereits den Ort des Schadenseintritts ausmachen oder zumindest grob deuten. Eine eigene Flucht entgegen der Fluchtrichtung aller anderen Personen ist auch mit normalen Menschenverstand nur sehr schwer vertretbar. "Was würde ich in dieser Situation tun? Wie würde ich mich Verhalten?"


Hier gilt es auf die eigenen Kompetenzen im urbanen Selbstschutz zu vertrauen. Dafür trainiert man bzw. bildet sich fort.


Der Abbruch der Flucht ist etwas, dass im ersten Moment nicht der Logik entspricht, aber uns wertvolle Informationen gibt. Die ortsansässigen Personen haben die vorgefundene Situation erfasst und verhalten sich dementsprechend. Zumindest glauben sie es.


Inwieweit man sich nun mit in den Kreis der Schaulustigen stellen sollte, muss hier nicht diskutiert werden. 


Man kennt die Hintergründe nicht und mögliche Folgeaktionen können neue Eskalationen herbeiführen. Wohlmöglich noch heftigere Eskalationen. 


Verlasse ich dieses mir unbekannte Szenario, bewerte ich hier dennoch alle Informationen, die ich durch das Lesen der dortigen Kontakte erhalten habe.

Gegebenenfalls kann ich hierdurch noch weitere dazugehörige Täter lokalisieren. Und genau dort, an diesem Ort, möchte ich mich nicht aufhalten.

Sicherlich fällt auf, dass hier immer noch nicht auf viele der allseits bekannten Indikatoren bevorstehender Konflikte eingegangenen wurde.


Diese sind von Bedeutung, gehören aber nicht an den Anfang dieser Serie oder unserer Trainings.


Viele reden von Flucht und Vermeidung. Erwähnen dieses in zwei Halbsätzen und trainieren dann Präventivschläge an der Pratze. Das physische Training bedarf seines Zeitansatzes. Gefahren- und Kontaktmanagement aber auch. Zwei, drei Sätze zwischen dem Partnerwechsel oder während der Trinkpause sind für diese bedeutende Thematik nicht angemessen.


Hierzu aber mehr in den folgenden Blogartikeln.

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