Tao des Kontaktmanagements - Part 3

Im zweiten Teil unserer Serie kam uns das Gefühl, dass mit der Person auf dem Bahnsteig irgendetwas nicht stimmt. Unser Bauchgefühl sprach zu uns und wir haben die Verhaltensweisen der Person richtig interpretiert.

 

Betrachten wir das nebenstehende Video fällt vielen direkt auf, dass die Person sich umschaut und der Abstand zu der geschädigten Person, dem Opfer der Straftat, sehr gering gewählt wird. Zwei Betrachtungen, die definitiv korrekt sind, aber nur einzelne Teile eines wesentlich größeren Puzzles bilden.


Zur Erkennung eines möglichen strafbaren Verhaltens zerlegen wir das Puzzlebild nun in seine Einzelteile. Wichtig ist zu verstehen, dass wir uns hierbei noch in keinem direkten Kontakt im Nahbereich zu einer Person befinden.

 

  1. Geographisches Verhalten
    Bewegen wir uns innerhalb von urbanen Örtlichkeiten, treffen wir auf Menschen. Und diese Örtlichkeiten geben Menschen oftmals ein bewusstes oder unbewusstes Verhalten vor.
    Als Grundsatzfrage empfiehlt sich hier, wie man selbst in dieser Situation an dieser Örtlichkeit reagieren respektive sich verhalten würde.
    Nehmen wir doch mal das Beispiel aus dem Video. Verschiedene Personen bewegen sich auf dem Festplatz. An dem Verkaufsstand stellen sich Personen an und warten darauf, dass sie dort etwas bestellen bzw. kaufen können. In der Regel interessieren sich Personen hierbei für die Auslage des Standes, das Verkaufsgeschehen, zücken schonmal Ihre Geldbörse oder interagieren mit anderen Personen.
    Je nach Personendichte wird auch bewusst oder unbewusst ein gewisser Abstand zwischen den Personen gewählt.

    Schaut man sich nun das Verhalten des Täters noch einmal genau an, so fällt direkt auf, dass dieser keine der oben genannten Verhaltensweisen aufweist. Die Person verhält sich nicht konform zur der Örtlichkeit, an der sie sich gerade befindet.
    Sie fühlt sich augenscheinlich auch nicht "wohl in ihrer Haut", sie fühlt sich nicht konfortabel.
    Beobachtet man verschiedene Örtlichkeiten für einen längeren Zeitraum wird man anhand des Verhaltens vieler Personen darauf schließen können, ob sich diese in einer gewohnten Umgebung bewegen.
    Selbst wenn der im Video gezeigte Festplatz zum ersten Mal besucht wird, wissen wir aufgrund vorheriger Besuche ähnlicher Veranstaltungen, was uns dort erwartet und verhalten uns dementsprechend auch komfortabel und sicher.                                                                                                                                          
  2. Körpersprache (Kinesik)
    Unsere Körpersprache verrät viel über unser Vorhaben und Denken. Ebenso ermöglicht sie uns, ein mögliches strafbares Verhalten einer uns unbekannten oder bekannten Person vor dem Schadenseintritt zu erkennen und selbst die Kontrolle der Situation zu ergreifen.
    Anhand unserer Körperhaltung, Mimik und Gestik drücken wir unsere derzeitigen Vorhaben aus. Ein direkter Blick ins Gesicht ermöglicht ein Lesen aber nur im Nahbereich. Auf größere Distanzen empfliehlt sich ein Lesen und Bewerten der Sprache des gesamten Körpers. Auch bekommt man so einen besseren Gesamteindruck.

    Menschen sind nicht multitaskingfähig, gerade in Stresssituaitonen. Sobald wir uns auf eine Sache direkt fokussieren, fällt es uns schwer eine weitere Sache zu meistern. Anhand unserer Körpersprache wirken wir dann unnatürlich und geben gegebenenfalls unser eigentliches Vorhaben für Außenstehende preis.

    Schaut man sich nochmal das Video an, so möchte der Täter den Eindruck einer in der Schlange vor dem Verkaufsstand anstehenden Person erwecken. Aufgrund der eigenen Konzentration auf den Taschendiebstahl gelingt dieses nicht. Er wirkt unnatürlich und unkomfortabel.

    Hinzu kommt das Umschauen und Beobachten des persönlichen Umfeldes. Hier wird versucht wahrzunehmen, ob gegebenenfalls weitere Personen die angestrebte strafbare Handlung beobachten, mögliche Fluchtwege frei sind und ob Personen möglicherweise die Handlung vereiteln können.
    Fakt ist, dass wir im Gehirn vor jeder Handlung eine Entscheidung treffen - bewusst oder unbewusst. Wurde eine Entscheidung getroffen, telegraphieren wir in den meisten Fällen unser Vorhaben nach außen und können gelesen werden. 

 

Mittlerweile dürfte klar werden, dass sich diese Blogserie nicht nur mit "er kratzt sich am Kopf und ich hole zum Erstschlag aus" befasst.

Bevor wir in die Tiefe gehen, werden wir noch Elemente des Verhaltens bei Stress, des zwischenmenschlichen Verhaltens und der Symbolik skizzieren müssen. Aber dazu später mehr.

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