Tao des Kontaktmanagements - Part 1

SC Int'l - Street Combatives - Tao des Kontaktmanagements

Bevor man überhaupt über Kontaktmanagement diskutieren darf, sollte erklärt werden, was unsere Art des Kontaktmanagement ist und wann es beginnt.

 

Sobald ich mit einer oder mehrerer Personen in Kontakt trete, spult sich im Hintergrund die weitere Vorgehensweise ab.

Hierbei ist zu verdeutlichen, dass diese Kontaktaufnahme nicht zwangsläufig im Nahbereich zu erfolgen hat und andere Personen, sprich Kontakte, nicht einmal von meiner Anwesenheit in Kenntnis gesetzt sein müssen.

Ein Beispiel hierfür wäre, dass ich einen Feldweg entlang jogge und in 500m eine Personengruppe stehen sehe. Hier beginnt für mich bereits die Bewertung der wahrgenommenen Situation und ich entscheide, ob ich weiter in diese Richtung jogge, eine Abzweigung nehme oder umdrehe.

In diesen Situationen erfolgt die selektive Wahrnehmung relativ einfach und schnell, da ich mich vollkommen auf den einen Kontakt konzentrieren kann.

Innerhalb des alltäglichen Lebens erscheint das Selektieren von Personen wesentlich erschwert. Gerade dann, wenn ich mich an belebten Örtlichkeiten bewege, ist es von Bedeutung ein auffälliges oder kriminelles Verhalten zu erkennen und entsprechend richtig zu handeln. Bereits an dieser Stelle sei bemerkt, dass es hierfür einer großen Erfahrung oder eines fokussierten Trainings bedarf. Diese Thematiken wirft man nicht eben zwischen Pratzentraining und Abschlussdrill ein, sondern bedürfen eines besonderen Augenmerks - manchmal auch über Tage hinweg.

 

Jeder von uns bewertet eine Person oder Personengruppen anders. Wir hören auf unser Bauchgefühl und berufen uns auf Erfahrungen. Gehen wir einmal zurück zum Joggen auf dem Feldweg. Kann ich innerhalb einer Entfernung von 500m bereits erkennen, dass es sich bei der Personengruppe um eine Seniorenwandergruppe handelt, werde ich wahrscheinlich ohne Bedenken weiterlaufen. Wie sieht es aber bei einer Gruppe angetrunkener, gröhlender Personen aus? Gehen da schon die Alarmglocken an? Wie entscheide ich mich aufgrund der getragenen Kleidung oder Herkunft der Personen?
Wer jetzt die Vorurteilskarte zieht, ist im Unrecht und sicherlich nicht ehrlich zu sich selbst. Wie schaut es denn aus, wenn ich als Person ausländischer Herkunft an einer angetrunkenen Personengruppe vorbeijoggen möchte, die offensichtlich dem rechten Spektrum zuzuordnen ist? Warum meiden Frauen nach der Silvesternacht 2015 auf 2016 bestimmte Personengruppen?

Richtig! Wir haben schlechte Erfahrungen erlebt oder mitgeteilt bekommen und auf diese greifen wir zurück.

Und wenn wir nun ganz ehrlich zu uns selbst sind... wir alle haben bestimmte Stereotypen vor Augen, wenn wir an Straßengewalt und Straßenkriminalität denken.

 

Diese schnelle Selektion aufgrund von Erfahrungen benötigen wir im urbanen Bereich. Hier treffen wir ständig auf andere Menschen und müssen kategorisieren, oftmals auch unbewusst. Dem Rentnerehepaar werde ich auf dem Bahnsteig wenig Aufmerksamkeit schenken. Aber was ist mit den beiden Frauen, die von ihrem Aussehen und der getragenen Kleidung Personen von Fahndungsfotos auf Facebook ähneln und sich für das Gepäck der anderen Bahnreisenden interessieren?
Was ist mit dem angetrunkenen jungen Mann, der die anderen Bahnreisenden lautstark anpöbelt und beleidigt?

Richtig! Genau diesen Personen schenke ich vorerst meine Aufmerksamkeit. Offensichtlichen optischen und akkustischen Reizen folge ich zuerst. Eine weitere Bewertung der anderen Personen folgt fortlaufend.

 

Sticht mir eine Person direkt ins Auge, kann ich gegebenfalls durch weitere Indikatoren ein kriminelles Verhalten erkennen und mich dementsprechen verhalten - sprich diesen unbekannten Kontakt managen.

Manchmal muss ich aber auch nur diesen Indikatoren einen besonderen Augenmerk schenken, da die Person aufgrund ihrer Erscheinung vollkommen unauffällig ist und mein Bauchgefühl auch keinen Alarm schlägt. Schonmal bemerkt, dass bestimmte Trickdiebe sich hochwertig kleiden und sich hierdurch unauffällig in Menschenmengen bewegen wollen? Kleider machen Leute... oder warum lässt Du Personen, die einen seriösen Eindruck vermitteln näher an Dich heran?

Vorweg sei bereits gesagt, dass die folgenden Indikatoren zur möglichen Erkennung eines kriminellen Verhaltens kumulativ betrachtet werden müssen. Das alleinige Drehen des Kopfes reicht hier nicht aus.

 

Solange eine Person noch nicht direkt an mich herangetreten ist und ich diese aus der sicheren Distanz beobachten und bewerten kann, achte ich zuerst auch nur auf die folgenden offensichtlichen Anzeichen:

 

  • Beobachtung des örtlichen Umfeldes
    Die Person bewegt sich auffällig hin und her und schaut dabei in jede mögliche Richtung.

    Fluchtwege, Zeugen oder störende Personen sind hier für die Person von Belang.

  • Fokus in meine Richtung

    Die Person schaut interessiert in meine Richtung und auf meine Person sowie meiner mitgeführten Gegenstände.

    Innerhalb einer Personengruppe kann auch durch mehrere Personen ein Blick in meine Richtung erfolgen. Schauen sich die Personen dann wieder untereinander an und nicken sich gegenseitig sein, kann dieses bereits an Anzeichen für ein besonderes Interesse an meiner Person sein.

    Blickkontakt wird auffällig abgebrochen.

  • Greifen in das Gesicht

    Die Person greift sich immer wieder in das Gesicht oder an den eigenen Halsbereich, kratzt sich, wischt sich durch die Augen oder fährt sich mit der Hand durch die Haare.

    Ein unauffällges Erscheinungsbild soll gewahrt werden. Oftmals findet hier zeitgleich die Fokussierung auf meine Person statt.

  • Kontrolle von mitgeführten Gegenständen oder Waffen

    Die Person greift sich immer wieder an eine Körperstelle und kontrolliert somit möglicherweise die mitgeführte Waffe. Gerade kurz vor einer Tatausführung mit einer Waffe ist dieses immer wieder und dann auch sehr häufig zu beobachen.

  • Verbergen der Hände oder Greifen in die Tasche

    Eine Person bewegt sich auffällig in meinem Umfeld und hält eine Hand gänzlich für mich verborgen oder greift mit einer Hand in eine Tasche.

    Hierbei kann bereits eine Waffe in der Hand geführt oder beim Greifen in die Tasche gezogen werden.

     

Ein Klassiker in diesem Bereich ist sicherlich das nebenstehende Video aus Melbourne. Auf diesem Video ist ein auffälliges Verhalten zu erkennen und letztendlich auch die dazugehörige Straftat.

 

 


Wie gesagt, solange ich keinen direkten Nahkontakt zur einer Person oder mehreren Personen habe, habe ich Handlungsalternativen. Ich kann die Örtlichkeit verlassen, den Platz wechseln oder mich auf einen möglichen Übergriff vorbereiten.

Falsch wäre es jetzt dieses Video zu analysieren und dann im Training nachzustellen. Ich möchte nach diesen wahrgenommenen Indikatoren nicht das Warten auf den Angriff trainieren. Ich möchte der Situation ungeschadet entkommen.

 

Es bedarf hier sicherlich von Erfahrung zur Erkennung möglicher Anzeichen eines bevorstehenden Übergriffs. Erfahrungen, die ich sammeln musste oder innerhalb eines intelligenten Trainings vermittelt bekommen habe.

 

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