Tao des Kontaktmanagements - Part 2

SC Int'l - Street Combatives - Tao des Kontaktmanagements (Part 2)

Okay... ich sitze immer noch auf meiner Bank, beobachte die Menschen auf dem Bahnsteig und warte auf meinen Zug.

 

Doch irgendwie ist da dieser eine Typ. Dieser Typ in dieser billigen Jeanshose aus dem 5,00 Euro-Designerladen auf dem Bahnhofsvorplatz. Er schaut mich immer wieder an. Schaue ich ihn an, schaut er sofort wieder zurück. Seine Blicke gehen immer vor und zurück. Im Gegensatz zu allen anderen wartenden Bahnreisenden scheint er nervös zu sein. Jetzt schaut er wieder in meine Richtung, fährt sich mit einer Hand durch seine Haare und schaut nun "auffällig unauffällig" auf meine Laptoptasche. Nun schaut er wieder weg, schaut auf den Boden. Er dreht sich nochmal um, schaut mich erneut an, kratzt sich am Hals und kommt in meine Richtung.

 

Der rechte Platz neben mir ist noch frei. Dort habe ich nur meine Laptoptasche abgestellt.

Aber so, wie er sich umschaut, besticht mich ein komisches Gefühl. Ich habe von den Diebstählen rund um den Bahnhof gelesen. Vor drei Minuten wurde noch über eine Lautsprecherdurchsage vor Trick- und Taschendieben gewarnt.

 

Möchte er sich nur auf den freien Platz setzen? Möchte er sich gegen meine Person wenden? Möchte er meine Laptoptasche ansichreißen?

 

Hier entscheiden die zuvor wahrgenommen Indikatoren eines möglichen kriminellen Verhaltens sowie das eigene Bauchgefühl über ein weiteres Handeln. Hierzu aber später mehr.


Bekomme ich den Eindruck, dass in diesem Moment etwas nicht "stimmt", steht das eigene Handeln im Vordergrund. Ich möchte hier nicht darauf warten, was passieren kann und dann hierauf reagieren. Ich möchte noch einem möglichen Schadenseintritt die eigene Initiative ergreifen und die Situation kontrollieren. 

 

  • Visuelle, nonverbale Kontaktaufnahme
    Manchmal reicht ein konzentrierter Blick aus. Ein Blick, der der anderen Person signalisiert, dass man sie und ihre Handlungen wahrgenommen hat.
  • Mobilität vor Statik
    Das eigene Handeln zwingt die andere Person zum Umdenken, sprich Reagieren. Ein möglicher Plan wird unterbrochen.
    Das Ergreifen der eigenen Laptoptasche oder das Aufstehen und Verlassen des Sitzplatztes verändert die Situation gänzlich.
    Das Sitzenbleiben und das Warten auf eine mögliche Straftat verbessern nicht die Ausgangslage und rufen eigenen Stress hervor.
    Durch eigene Handlungen kann ich mehr über die eigentliche Situation erfahren. Stehe ich auf und bewege mich etwas, kann ein Folgen der Person mir weitere Hinweise darüber geben, dass die Person an mir interessiert ist.
    Vielleicht sehe ich aber auch, dass sie sich auf den freien Platz setzt, kurz wartet, dann aufsteht und eine andere Person begrüßt und mit dieser zusammen die Örtlichkeit verlässt.
  • Situative und örtliche Vorteile sichern
    Einhergehend mit der "Mobilität" versuche ich stets, mir eigene Vorteile zu sichern.
    Ich versuche mich zum Beispiel in Richtung günstiger Fluchtwege zu bewegen oder mir den Zugang zu Alltagsgegenständen (improvisierte Waffen) zu verschaffen.

 

Während ich durch die eigene "Mobiltät" Distanz aufbaue, vernachlässige ich nicht den visuellen Kontakt zu der Person. Ich möchte wissen, wo sie sich befindet und was sie dort macht. Auch soll die Person durch mein Handeln erfahren, dass ich die Situation unter Kontrolle habe.

In diesem Kontext möchte ich aber bewussten Blickkontakt vermeiden. Schaue ich in die Richtung der zu beobachtenden Person, so schaue ich bewusst an seinem Kopf vorbei und "fixiere" meinen Blick auf einen Bereich zwischen seinem Kopf und seiner Schulter. 

 

In der Regel ist es hier noch nicht erforderlich nonverbalen und verbalen Kontakt aufzunehmen. Diese binden nur die eigenen Handlungsressourcen und lassen schlimmstenfalls den erforderlichen Handlungsschwerpunkt an zweite Stelle rücken.


Ich möchte die Situation aus der Distanz heraus dominieren. 

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