Selbstschutz / Selbstverteidigung - Pratze, Partner und die möglichen Probleme der Visualisierung

In einem der vorherigen Blogs wurde bereits das Problem der Visualisierung im Training anhand des geradlinigen Schlages und der damit zusammenhängenden Pratzenarbeit angesprochen.


Letztendlich ist aber immer wieder in Szenariotrainings festzustellen, dass Trainierende die an der Pratze erlernten Techniken nicht auf die reale Person transportiert bekommen. Somit ist das alleinige Training an der Pratze und im Anschluss innerhalb einer Simulation oder eines Szenarios nicht ausreichend.


Ziele, die innerhalb des isolierten Pratzentrainings angegangen werden, bleiben an der sich real bewegenden Person nicht erkannt. Schlag- oder Tritttechniken werden unsinnig gewählt und versprechen keinen Erfolg. Techniken können an der sich bewegenden Person nicht platziert werden, da die Dynamik erhebliche Einwirkung auf das Timing und die benötigte Distanz hat.


Im Zweikampf ist hier Sparring ein zielführendes Medium. Für den Bereich des Selbstschutzes bzw. der Selbstverteidigung kann alleiniges Sparring untereinander innerhalb einer Trainingsgruppe vom eigentlichen Zielgedanken abbringen, da hier wesentliche Elemente unserer Grundabsichten außer Acht gelassen werden.


Innerhalb SC Int'l bedient man sich verschiedener Methoden zur besseren Visualisierung und Umsetzung innerhalb des Trainings. Diese sind selbstverstehend nicht gänzlich neu, sondern sollen hier aus unserer Sicht vorgestellt werden.


Isoliertes Training an der Pratze, dem Schlagpolster, den Thai-Pads, etc.


Hierzu bedarf es eigentlich keiner großen Ausführung zur Erläuterung dieser Idee.

Isoliertes Training an der Pratze.

Dennoch sollte auch hier darauf geachtet werden, dass die Wechsel der Pratzenhaltung zur Weiterführung einer technischen Sequenz mit unterschiedlichen Schlägen auch durchdacht erfolgt. Die einzelnen Haltepositionen sollten möglichst detailgetreu im Sinne der Positionierung eines realen Körpers erfolgen.

Funktionales Training an der Pratze, dem Schlagpolster

Seit Beginn greift man bei SC Int'l auf diese Möglichkeit zurück und möchte durch diese Art der Pratzenarbeit das Agieren an einer realen Person fördern. Die Handpratze wird revers aufgezogen und kann somit funktional am Körper gehalten werden. Dem Trainingspartner wird hiermit ein härteres Training ermöglicht. Durch harte Schlagarbeit am Partner soll vermieden werden, dass der Trainierende durch kurze, motoriklose Techniken am Partner agiert. Gerade aus dem situativen Clinch heraus kann ein erfahrender Pratzenhalter eine Arbeit mit hoher Intensität und in fließender Bewegung ermöglichen.
Mit dem Schlagpolster sieht das Training identisch aus. Die Position des Polsters wird situativ gewechselt und Techniken sollen möglichst situationsangepasst ermöglicht werden.

Die Handpratze wird revers aufgezogen und situativ am Körper positioniert.
Die Handpratze wird revers aufgezogen und situativ am Körper positioniert.
Die Handpratze wird revers aufgezogen und situativ am Körper positioniert.
Die Handpratze wird revers aufgezogen und situativ am Körper positioniert.

Kontrolliertes Training am Partner

Hier soll das situative Agieren am Partner geübt werden. Die Geschwindigkeit und Intensität wird durch beide Akteure im Vorfeld festgelegt und innerhalb dieser Vereinbarung wird auch gearbeitet. Klassisches „Slow-Fighting“ ist hier nicht gewünscht. Es darf hier gerne herzhafter zugehen, da getreu dem Motto des amerikanischen Schießausbilders Kyle Lamb „slow is just fucking slow“ kein Nutzen gesehen wird, wenn fortgeschrittene Personen künstlich ausgebremst werden.

Dennoch soll es hier noch nicht zu einer unkontrollierten Auseinandersetzung kommen. Vielmehr hat der Trainingspartner eine bestimmte Verhaltensweise umzusetzen und soll dem Trainierenden ebenso die Umsetzung seiner Konzeption unter erschwerten Bedingungen ermöglichen.


Hier ist besonders durch die Ausbilder darauf zu achten, dass die genutzten Schläge und Tritte zwar kontrolliert, aber dennoch in der richtigen Ausführung erfolgen. Andernfalls verliert man die gewonnenen Attribute durch die Arbeit an der Pratze und es kommen wieder die schnellen, kurzen und kraftlosen Folgetechniken zum Vorschein und werden innerhalb der Arbeit mit dem Partner manifestiert.


Umsetzung im Vollkontakt (Drill, Simulation, Szenario)


In der letzten Stufe der Visualisierung versucht der Trainingspartner innerhalb eines Drills, einer Simulation oder im Szenario den bestmöglichen und kontrollierbaren Widerstand zu geben. Diese oftmals chaotisch und unbeholfen aussehenden Trainingsformen sollen dem Trainierenden helfen unter diesen Umständen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.

Ein kooperatives Mitwirken des Partners ist hier nicht erwünscht. Das Training muss von „Außen“ sehr eng geführt werden und den agierenden Personen möglicherweise ein „Safety“ beiseite gestellt werden. Hierdurch kann ein sicherer und verletzungsfreier Ablauf gewährleistet werden.



Das Nutzen einer Schutzausrüstung ist oftmals unumgänglich. Dennoch heißt dieses nicht, dass hier direkt nur noch in Vollschutzanzügen trainiert wird. Ist der Boden weich und der Raum kontrollierbar, reichen oftmals Helme und Handschuhe aus.

Anzüge dienen bei uns eher dem Schutz des Angreifers an unübersichtlichen Örtlichkeiten, zum Beispiel im Treppenhaus oder Parkhäusern.

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