Bagger und Baum

SC Int'l - Street Combatives & Strategic Combatives

Der Blog vom Bagger und vom Baum reiht sich in die Beiträge der kuriosen Titelfindungen ein. Spätestens nach unserem Blog zur Thematik der Selbstbefriedigung dürfte Euch auch dieser Titel  nicht mehr wundern.

 

Am heutigen Tag war ich wieder verdammt froh mit dem Nachwuchs auf dem Spielplatz die Zeit zu verbringen und zwischen dem Abenteuer Schaukel und Rutsche ein Training am Sling hinter mich gebracht zu haben.

Sind wir doch ehrlich, was gibt es schöneres? Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen und gleichzeitig zu trainieren, ist definitiv eine gelungene Kombination.

 

Okay... jetzt mal ernsthaft. Wann soll manch einer von uns den ganzen Krempel unter einen Hut bekommen. Morgens klingelt der Wecker, wie quälen uns unter die Dusche, trinken Kaffee, fahren zur Arbeit, stehen uns im Stau zurück in die Heimat die letzten Nerven blank, gehen kurz Einkaufen, fahren jemanden zum Kinderschwimmen, essen noch schnell etwas und hechten dann ins Training. Dort angekommen, können wir dann weder als Trainer, noch als Trainierender wirklich etwas reißen.

 

Jeder Tag beginnt fast gleich, ist aber irgendwie doch anders. Letztendlich haben wir alle nur ein gewisses Maß an Energiereserven und wenn diese anderweitig aufgebraucht sind, fehlt der Fokus auf das Wesentliche - das Training. Klar müssen wir hier mit Einschnitten leben... Leben heisst auch auf Kompromisse eingehen können, doch manchmal war früher alles besser.

 

War es das wirklich? Oder haben sich nur die Umstände geändert. In jungen Jahren waren die meisten von uns ungebunden und hatten zeitlich kaum Vorgaben, die das Training beeinflussten. Außer Schule, Studium oder Arbeit gab es tagsüber kaum Einschränkungen. Es konnten zu Bestzeiten täglich ein bis drei Trainingseinheiten vollzeichnet werden und das Wochenende stand dem Wettkampf- oder Seminarbetrieb zur freien Verfügung.

 

Die zeitliche Komponenten hat sich nicht verändert. Der Tag hat immer noch 24 Stunden und die Woche auch noch immer 7 Tage. Die Fülle der Termine und Verpflichtungen ändert sich. Mit Partnerschaft, Nachwuchs oder Veränderungen im Beruf muss der Tag neu geplant werden. Der Tag, der vorher noch 7 Stunden für Training und Trainingsvorbereitung inne hatte, wird nun drastisch geändert. Manchmal bekommen wir nicht einmal mehr das Minimum unter.

Und genau hier liegt das Problem begraben. Der zeitliche Rahmen verschiebt sich und es gilt, sein Training diesem Rahmen anzupassen. Wer zuvor schon nicht fokussiert sein Training betrieben hat, wird es heute auch nicht mehr können. Wir müssen wissen, was wir möchten und wie wir es erreichen können. Andernfalls verlieren wir schrittweise den Fokus und uns irgenwann in Ausreden.

Jeder von uns kennt genügend Menschen, die vor Jahren die Wichtigkeit der Selbstverteidigung und körperlichen Fitness in ihrem Leben gepredigt haben und heute kaum noch unbeschadet den Weg in die Kantine finden oder nervlich zusammenbrechen, sollte es abends im Fernsehen eine Programmänderung geben.

 

In manchen Schicksalen ist einfach kein Training mehr möglich und jemand musste aufhören. Doch in den meisten Fällen hat sich dieser schleichende Prozess als Todesurteil vorgestellt. "Ich weiß noch genug...", "In jungen Jahren...", "Ich gehe morgen...", "Ach nächste Woche starte ich...". Wer hat es nicht selbst schon zu sich gesagt und sich damit selbst entschuldigt? Entschuldigt dafür, dass man den eigenen Arsch (leider muss man es so deutlich sagen) nicht mehr hochbekommt.

SC Int'l - Street Combatives & Strategic Combatives

Hat man immer nur für sich trainiert, ist es schade um diese Entwicklung. Ist man aber Trainer und findet sich nun mehrmals die Woche lustlos und ohne den vorherigen Antriebswillen vor einer Gruppe wieder, ist es einfach nur noch schade. Schade für diejenigen, die ernsthaft trainieren wollen. Diejenigen, die diesen Antrieb aus der ersten Reihe spüren wollen. Als Trainer hat man Verantwortung und der ist nicht mit dem Kauf einer DVD oder dem einmaligen Besuch eines Tagesseminars genüge getan.

 

Wir haben nicht mehr die Zeit, die wir einst hatten und es macht auch keinen Sinn den goldenen Zeiten Trauerkarten zu senden.

 

Für unsere erste "Unarmed Combatives Coach Certification" haben wir ein Shirt mit dem Aufdruck "Combatives ist our Lifestyle,..." gewählt. Solange man wirklich mental dieses Spiel mitspielt, sollte man dafür sorgen, dass alle Komponenten abgedeckt sind. Man muss die zeitliche Lösung selbst finden und das eigene Training bestmöglich in den Alltag integrieren. Das Training am Sling und das anschließende schieben des Baggers im Sandkasten kann so eine Lösung sein. Doch geht es bei uns ja nicht allein nur im die Fitness. Das eigentliche Selbstschutztraining, vielleicht die Schießausbildung, die Kompetenzen in Sachen Medicausbildung und was weiß ich, müssen ebenfalls funktional integriert werden.

 

...nicht nur als Trainer zur bestmöglichen Leitung einer Gruppe. Man darf hierbei nicht vergessen, ein Trainer ist letztendliche auch ein Anwender. Es wäre unsinnig Menschen zum Selbstschutztraining zu animieren und auf die Bedeutung hinzuweisen und selbst diese Eigenschaften abzulegen. Auch entwickelt sich jeder Trainer ohne Training zurück und verliert viele Kompetenzen.

 

Das dieses nicht immer einfach ist, sollte jedem von uns klar sein. Manchmal hilft es sich einfach mal eine Auflistung der eigenen Interessen anzuschauen. Schnell fällt auf, dass man zig weitere Interessen verfolgt und bei keiner richtig vorankommt. Wie war das nochmal... Fokus? Dieses war schon in jungen Jahren so. Manch einer erreichte irgendwann den Schwarzgurt und andere stagnieren auf diesem Weg und konnten dafür mittelmäßig Klavier spielen und den Tischtennisball ins Aus schlagen. Man sollte hierbei wissen, was man opfert oder investiert und auch wofür. Will man den Weg wirklich einschlagen, dann muss man es auch. Reden allein und irgendwelche Facebook-Selfies mit zwei schlauen Kommentaren bieten keinen ausreichenden Ersatz.

 

Inwieweit Du Deine Freizeit gestaltest, ist letztendlich Dir überlassen. Es ist ja schließlich auch Dein Leben.

Doch sehe immer zu, dass Du den Baum und den Bagger in Einklang bringen kannst. Ansonsten wird aus gut, mittelmäßig und aus mittelmäßig, schlecht. Und von den schlechten Leuten gibt es leider schon genug und niemand lernt in unserem Segment davon, dass ein guter Trainer heute nur noch den Bagger schieben kann.

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