Innovation und Training

SC Int'l - Street Combatives & Strategic Combatives - EHKD Empty Hands Knife Defense
Street Combatives - Empty Hands Knife Defense

Innovation ist laut dem ersten Treffer innerhalb der Suchmaschinen ein Vorgang, der durch Anwendung neuer Verfahren und der Einführung neuer Techniken einen Bereich erneuert und auf den neuesten Stand bringt.

 

Folgt man dieser Definition, so ist Innovation in vielen Trainingsbereichen nicht vorzufinden. Gerade innerhalb der unbewaffneten und waffenbasierenden Zugänge zum Selbstschutz und Nahkampf findet man einen wirklichen innovatioven Ansatz nur selten.

Vielmehr wird auf bestehende und somit bekannte Standards einzelner namhafter Ausbilder zurückgegriffen und deren Handhabung teils in schlechterer Qualität kopiert oder nach einem Kursbesuch unter dessen Namen angeboten.

Niemand erfindet in unserem Ausbildungssektor das Rad täglich neu, aber der Weg zum Ziel und somit der Vermittlung verschiedener interdisziplinärer Ansätze darf doch gerne durchdacht werden.

Ich hatte diese Woche verschiedene Chats und Telefongespräche zu genau diesem Thema und musste letztendlich oftmals nur mit dem Kopf schütteln. Nein, nur weil wir einen Arm innerhalb unserer Handhabung von Messerangriffen mit beiden Händen greifen, ist es zum Beispiel keine Kopie des Programmes von Red Zone. Auch nicht dann, wenn wir die Gelegenheit hatten dieses einmal live zu sehen. Gerade etwas zu sehen, zu erfahren, zu begreifen und dann doch von sich selbst bestimmt und nicht von anderen abhängig zu bewerten, ist ein Charakterzug der innovative Denkansätze schafft.

Den ringerischen Ansatz innerhalb der Messerabwehr verfolgen allgemein betrachtet sehr viele Ausbildungskonzepte und Standardtechniken innerhalb des Ringens sollte man nicht nur einem Hybridsystem zuschreiben. Dieses wäre auch vom Sachverstand her falsch. Letztendlich muss der gesamte Lösungsweg betrachtet werden und bleiben wir im Bereich der Messerabwehr, so nutzen wir ringerische Elemente zur Handhabung des Problems, versuchen es aber durch eine eigenständige Herangehensweise mittels ballistischer Manipulation des Schultergelenkes zu lösen. Die genaue Entscheidung für unsere gewählte Herangehensweise findet man in diversen anderen Blogartikeln und Interviews, als auch zum Beispiel im Analogieprinzip unserer Vorgehensweise zur Handhabung einer Bedrohung mittels Schusswaffe oder dem Schutz der eigenen geholsterten Kurzwaffe.

SC Int'l - Street Combatives & Strategic Combatives - EHKD Empty Hands Knife Defense
Street Combatives - Empty Hands Knife Defense

Niemand muss sich auf unserem Teil des Erdballs hinter anderen international agierenden Ausbildern oder Konzepten verstecken. Agiert man allein im deutschsprachigen Raum, wird man mittels der Sprache sicherlich Verbreitungsbarrieren erfahren. Dieses bedeutet aber nicht, dass man sich aufgrund der mangelnden Popularität in den heutigen internationalen Medien und Netzwerken verstecken muss. Nur weil etwas bekannt ist, bedeutet es nicht automatisch, dass es auch besser ist oder man sich diesem unterzuordnen hat.

Neue Ansätze entstehen, wenn man Bestehendes hinterfragt oder sich auf sachliche Diskussionen einlassen kann.

Ist ein bestehendes Konzept sehr gelungen und spielt dem eigenen Vorgehen in die Karten, so spricht hier einer systemsinnigen Übernahme oder Einbindung in das eigene Vorgehen nichts entgegen. Es ist auch sicherlich kein Geheimnis, dass zum Beispeil unser Vorgehen innerhalb der Schlagschule von Mick Coup und unser Vorgehen im ringerischen Bereich von Jeff Jimmo, Craig Douglas oder Luis Gutierrez maßgeblich angeregt wurden. Anregung bedeutet aber nicht, dass etwas komplett übernommen wurde, sondern hier vielmehr eine differenzierte Betrachtung dieses Bereichs erfolgte. Im ringerischen Bereich ergab sich aufgrund dieser technischen Anregung zusätzlich der ergänzende und aufbauende Zugang zu Elementen aus dem Luta Livre, Brazilian Jiu-Jitsu und dem Catch Wrestling. Es wurden somit technische Anregungen eigenständig vertieft und ein individuelles, elemantares Wissen zur Handhabung eines Sachverhaltes geschaffen.

 

Im Bereich der Hybridkonzepte und der gesuchten schnellen Zertifizierungen ist immer wieder feststellbar, dass der zertifizierte Teilnehmer nur in der Lage ist, den Inhalt der Ausbildung nachzuahmen. Es fehlt hier einfach an technischer Ausbildung und dem dazugehörigen Tiefenwissen. Beschäftigt sich ein Ausbilder über Jahre hinweg mit einer Thematik, so kann diese nicht allein innerhalb eines sechsstündigen Kurses vermittelt werden. Der Teilnehmer muss auch einen intensiven AusbildungsInhalt über längere Zeitspannen hinweg kontinuierlich wiederholen und durch Ausbilder betreut werden. Eine Manifestierung des Curriculums darf hier nur das anzustrebende Ziel sein.

SC Int'l - Street Combatives & Strategic Combatives - Basic Pistol Course
Schießausbildung innerhalb der "Low-Light Clinic"

Ist man ehrlich, so findet hier oftmals nur eine Nachahmung des Ausbidungsinhaltes aufgrund des fehlenden Tiefenwissens statt.

 

Bei dem Besuch verschiedener Ausbildungskonzepte erfolgt schnell eine Vermischung der Inhalte. Eine Aneinanderreihnung verschiedener Ansätze ist leider kein ganzheitlicher in sich geschlossener Denkansatz. Es fehlt hier jeglicher innovativer Gedanke zur Schaffung eines Systems.

 

Gerade im Bereich der Schießausbildung wird dieses Problem oftmals sehr schnell deutlich. Anstelle eines durchdachten, eigenständigen Kursverlaufes mit einem klar definierten Ausbildungsziel werden Übungen verschiedener international agierender Ausbilder aneinandergereiht und geschossen. Ob diese nun der Progression dienen sei dahingestellt. Kurz durch den Ausbilder vorgestellt und vorgeschossen, geht es nun zum nächsten Drill über. Befasst man sich mit der Gestaltung von Kursabläufen und klar definierten Ausbildungszielen, ist diese Art von Training nur bedingt zielführend. Letztendlich kann hier das eigene Smartphone mit einem YouTube-Video des zu schießenden Drills auch den kostenintensiven Ausbilder ersetzen. Gerade dann, wenn man sich von Drill zu Drill hangelt und ein kursindividueller Lehrverlauf zur Entwicklung der Teilnehmer keinen Platz findet.

 

Sofern man nicht als Ausbilder für ein Konzept agiert, empfiehlt es sich das eigene Handeln zu hinterfragen, gelegentlich auch gemeinsam die Murmeln anzustrengen und Erfahrungen progressiv zu diskutieren.

Was möchte ich mit meiner Ausbildung erreichen? Warum möchte ich nicht auf bestehende Alternativen zurückgreifen? Welches Wissen besteht zu diesem Thema? Welche Mittel stehen mir zur Verfügung? Über welche Alternativen verfüge ich?

 

... und vor allen Dingen... bin ich in der Lage etwas derart zu strukturieren, dass neu geschaffene Ausbildungswege direkt zur Befriedigung des Ausbildungsziel führen? Sich innovative Prozesse ereignen, die dem Endnutzer dienlich sind?

 

Hätten wir diesen Anspruch nicht inne oder diesen Ansatz nicht verfolgt, hätten viele Ausbildungswege von SC Int'l niemals das Tageslicht erblickt. Sei innovativ!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0