Fehlerkultur - durch Fehler wachsen

Fehler sind menschlich, aber jeder von uns betrachtet Fehler oder falsche Ausführungen im Training als unangenehm. Fehler zeigen unsere Defizite und Grenzen auf und wir empfinden diesen Misserfolg als Schwäche innerhalb unserer eigenen Leistungen.

 

Doch anstatt sich für seine eigenen Fehler zu rechtfertigen oder gar die Rolle eines Beschuldigten anzunehmen und sich gegenüber den Trainern oder anderen Personen zu verteidigen, sollte man lernen, die positiven Wirkungen von Fehlern zu erkennen und hierdurch konsequent zu wachsen.

 

Jeder von uns ist im Alltag nicht fehlerfrei. Wir machen ständig Fehler, unterschiedlich in der Intensität und in den Auswirkungen. Im Training hingegen versuchen viele Trainierende Fehler zu vermeiden, nicht aufzufallen und auch einer Korrektur durch einen Trainer zu entgehen. Doch wer so agiert, verzichtet oftmals unwissentlich auf die Umsetzung neuer Möglichkeiten und auch auf die eigene Progression innerhalb der Umsetzung von Techniken, Drills, usw. - man stagniert.

 

Stagnation führt zu Langeweile, Frust und Misserfolg.

 

Wir müssen aus Fehlern lernen und wachsen. Lässt man Fehler im Training zu respektive lässt man sich auf Fehler ein, bieten diese eine sehr hochwertige Möglichkeit zur Steigerung der eigenen Leistung. Im Selbstschutztraining, in der Schießausbildung oder im Medic-Training gehören Fehler an die Tagesordnung. Oftmals werden Übungen auch so gestaltet, dass der Trainierende an den Bereich seiner Leistungsgrenzen geführt wird, die sogenannte Komfortzone verlässt, und in der angekommenden Lernzone neue Entscheidungen treffen muss. Mögliche Fehler werden als Trainingsinstrument genutzt.

Ein Fehler kann immer den weiteren Übungsverlauf stark beeinflussen. Je nach Schwere des Fehlers und der individuellen Kompetenzen, kann dieser zur kompletten Stagnation führen oder auch bestenfalls durch andere Handlungen ausgeglichen werden.

Definiert man hier ein Fehlverhalten als eine Nichterfüllung einer Anforderung, bietet ein durchdachter Übungsaufbau die Möglichkeit bereits im Übungsverlauf diesen Fehler durch andere Handlungen zu korrigieren oder aber in der Nachbereitung einen positiven Lernprozess aufzeigen, in dem man individuelle Lösungsmöglichkeiten vorstellt und gemeinsam mit dem Trainierenden an diesen Optionen arbeitet.

 

Fehler bleiben Fehler und müssen auch so gehandhabt werden.

 

Trifft man im Szenariotraining eine falsche Entscheidung mit folgeschwerem Ausgang oder wird im Force-on-Force Training aufgrund falscher Aufklärung des Raumes durch eine Farbmarkierungsgeschoss getroffen, müssen diese Fehler auch klar kommuniziert werden.

Hier ist es Aufgabe eines Trainers den wahrgenommenen Fehler sachlich zu beschreiben und dem Trainierenden keine Vorhalte zu machen. Der Trainierende muss die Fehlerkorrektur ebenso annehmen - sogenannte Fehleroffenheit. Immer wieder muss festgestellt werden, dass Trainierende aufgrund einer falschen Akzeptanz von eigenen Fehlern oder einem angekratzten Ego versuchen diese Schönzureden und selbst im anschließenden Videobeweis das Gesehene anzweifeln oder nicht als die eigentlich von ihnen durchgeführte Handlung wahrhaben wollen.

 

Im Training sollen Fehler gemacht werden.

 

Ein Großteil unserer Trainingsgestaltung sieht es vor, dass Trainierende Fehler machen und so konstruktiv an möglichen Defiziten in der Umsetzung gearbeitet werden kann und die Entwicklung gefördert wird. 

In der Trainingsprogression kann man auch von positiven Fehlern sprechen, da diese einen Fortschritt und Lernprozess bedeuten.

 

Dieses setzt aber auch voraus, dass im Bereich der professionellen Trainingsgestaltung ein klar definiertes Ziel festgelegt wird, dass die Trainierenden durch ihr Training erreichen sollen. Nur so können individuelle Leistungsschwächen auch erkannt und korrigiert werden.

 

Eine professionelle Trainingsgestaltung bedeutet aber auch, dass man als Trainer die Fehler der Trainierenden analysiert und hieraus auch mögliche Schlussfolgerungen auf die zukünftige Trainingsgestaltung zieht. 

 

Aus Fehlern können wir lernen - wir alle!